Medienhaus – Zentrum für evangelische Publizistik und Medienarbeit in Hessen und Nassau GmbH

Angebote und Themen

Das Medienhaus – Zentrum für evangelische Publizistik und Medienarbeit in Hessen und Nassau GmbH – ist eine gemeinnützige Gesellschaft und die zentrale Adresse für Publizistik und Medienarbeit in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

AngeboteÜbersicht
Menümobile menu

Wirklich reich werden die Menschen nur durch das, was sie mit anderen teilen

Gott gibt uns geistliche Gaben

picture allianceDie schwedische Popgruppe ABBA produziert in den 1970er Jahren einen Hit nach dem anderen – ein Jahrzehnt lang. Dann trennen sich die zwei Ehepaare, die einen machen solo weiter, die anderen ziehen sich ins Privatleben zurück.

privatMatthias Ullrich ist Pfarrer und Studienleiter im Religionspädagogischen Institut der EKKW und der EKHN.

The winner takes it all« heißt eines der letzten Lieder der schwedischen Popgruppe ABBA. Der Gewinner bekommt am Ende alles, der Verlierer verliert auch noch das, was er bis dahin sicher zu haben glaubte. Das Lied beschreibt auf melancholische Weise diese bittere Erfahrung einer Liebesbeziehung. »The winner takes it all.« Diese Erfahrung gibt es auch in anderen Lebensbereichen. Das Leben ist manchmal so ungerecht wie ein Monopolyspiel. Aus einem vielleicht kleinen Vorteil heraus bekommen die einen immer mehr, bis sie am Ende alles haben. Die anderen verlieren am Schluss auch noch den letzten Rest.

Soziologen nennen dieses Phänomen den »Matthäus-Effekt«. Erfolge rufen danach immer neue Erfolge hervor. Kleine Anfangsvorteile entwickeln sich zu extremen The-Winner-Takes-It-All-Strukturen. Wenige vereinen am Schluss alle Erfolge auf sich, während die anderen leer ausgehen, so sehr sie sich auch anstrengen. Nicht nur in der Wirtschaft und an der Börse kennt man das Phänomen. So werden etwa auch bekannte Personen häufiger zitiert, wodurch sie dann noch bekannter werden.

Auch in der Schule kennt man den Matthäus-Effekt. Schüler mit bildungsbürgerlichem Hintergrund haben einen Startvorteil, den sie im Laufe ihrer Schulkarriere weiter ausbauen gegenüber Schülern mit schlechteren Startbedingungen. Der Unterricht verstärkt diese Tendenz. Am Ende haben die schlechteren Starter gar keine Chance mehr.

Der Effekt ist übrigens nach einem Satz im Matthäusevangelium benannt: »Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden.« (Matthäus 25,29) Als ich diesen Satz jetzt wieder las, musste ich mir erneut die Augen reiben. So etwas steht in der Bibel. Wie etwa wird Herr Trump, der ja die gleiche Bibel liest wie ich, diesen Satz verstehen, wenn er mit der Air Force One ins Wochenende fliegt? Oder wie muss andererseits Eliki Bonanga, Kirchenpräsident der Kirche der Jünger Christi im Kongo, diesen Satz verstehen, wenn er mit seinem Einboot seine Gemeinden besucht? Liefert Jesus mit diesem Satz eine Begründung für die Ungerechtigkeit der Welt?

Vielleicht bezieht sich der Satz gar nicht auf unseren äußeren Reichtum. Eliki Bonanga hat ihn mir in einer Bibelarbeit einmal so erklärt: Was Gott uns gibt, sind geistliche Gaben. Etwa die Fähigkeit zu lieben, den Mut zu vertrauen und zu glauben oder die Kraft zu hoffen, selbst in scheinbar hoffnungslosen Situationen.

Davon können wir aber gar nicht genug bekommen. Darum ist es nur gut, wenn hier der Matthäus-Effekt wirkt. Und es stimmt ja auch. Wer Liebe wagt, in dem wächst die Fähigkeit zu lieben dadurch noch weiter. Wer vertraut, lernt schließlich aus diesem Vertrauen heraus, ohne Angst zu leben. Und wer hoffen lernt, den wird diese Hoffnung auch über den Tod hinaus tragen. Und wirklich reich werden wir sowieso nur durch das, was wir teilen. Nur wer etwas riskiert, wer seine Gaben Gott und den Menschen zur Verfügung stellt, wird letztlich reich dastehen.

Von Matthias Ullrich

Diese Seite:Download PDFDrucken

to top