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Offene Rechnungen

Schulden begleichen

iStock/BernardaSvGespräch beim Arzt. Dabei steht manchmal nicht nur die Gesundheit, sondern das ganze Leben auf dem Prüfstand.

privatAnne-Katrin Helms ist Pfarrerin in Frankfurt-Oberrad.

Neulich war ich mit einem Angehörigen in der Notaufnahme der Uniklinik. Ein Pfleger brachte ihn in einen großen Raum, in dem ungefähr 15 Patienten versorgt wurden. Jedes Bett war mit einem Vorhang abgetrennt. In diese kleine Parzelle passten genau ein Rollcontainer, das Bett und ein Stuhl. Neben mir war also schon gleich der nächste Patient. Sehen konnte ich ihn nicht, aber hören. Er telefonierte: »Ich hab Schmerzen wie Sau«, sagte er zu seiner Frau. »Tu mir den Gefallen und bezahl' noch die Rechnung von der Firma aus der Schweiz. Das will ich noch erledigt haben, bevor ich nachher unters Messer komme. Denk an mich. Reg dich nicht auf. Unkraut vergeht nicht!« Er legte auf und fing an zu weinen.

Ich habe das selbst auch schon mal erlebt. Bei einer Untersuchung kam ein unklares Ergebnis heraus, das nichts Gutes ahnen ließ. In den Tagen bis zur nächsten Kontrolle habe ich als erstes die noch nicht bezahlten Rechnungen beglichen. Ohne darüber nachzudenken, war das mein erster Impuls.

Schulden bezahlen und um Entschuldigung bitten: Beides hat mit Schuld zu tun. Bei offenen Rechnungen sagen wir: »Ich stehe bei dir in der Kreide – wie viel kriegst du von mir?« Wir reden in diesem Zusammenhang auch von Schuldnern und Gläubigern. Wenn wir eine Einladung nicht annehmen oder eine Zusage nicht einhalten können, sagen wir: Bitte entschuldige mich! Oder wir tun das gleich selber.

»Tschuldigung!«, ruft mir zu, wer mich aus Versehen auf der Straße anrempelt oder mir im Gedränge der U-Bahn auf den Fuß tritt. Das soll heißen: Tut mir leid, war keine Absicht! Der- oder diejenige erwartet, dass ich dann sage: »Kein Problem!« Es ist überhaupt nicht vorgesehen, dass ich auf stur stelle und die erbetene Entschuldigung verweigere. Hier geht es nämlich nur um Konventionen, um Sprachmuster auf der Oberfläche. Wenn wirklich Schuld vorliegt und die Verletzung tiefer ist, dann ist es mit einem »Tschuldigung!« nicht getan. Dann muss ich den Verletzten um Verzeihung bitten.

Das ist keine Kleinigkeit. Es gehört zum Größten, was Menschen hinbekommen: dass sie sich ihrer Schuld stellen und Verantwortung übernehmen für das, was sie getan haben. Im Vaterunser bitten wir Gott: »Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern« (Matthäus 6,12).

Eine Bitte um Vergebung ist wirklich eine Bitte. Wenn ich sie äußere, dann bin ich für einen Moment ganz in der Hand dessen, den ich um Vergebung gebeten habe. Ich kann ihn nicht zwingen, mir zu verzeihen. Ich kann, was geschehen ist, nicht ungeschehen machen. Aber ich kann den anderen bitten, dass er mir die Schuld erlässt, und er kann diese Bitte erhören. Es ist zutiefst bewegend, wenn das gelingt.

Ich kann dem Nachbarn in der Notaufnahme gut nachfühlen, dass er zu weinen begann. Hoffentlich konnte er neben seinen offenen Rechnungen auch sonst Schuld vergeben und Vergebung empfangen. Und wieder ganz gesund werden.

Von Anne-Katrin Helms

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