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Mit dem barmherzigen Samariter durch den Dschungel des Bundestagswahlkampfs

Wer ist denn mein Nächster?

Tobias Albers-HeinemannWahlwerbung von SPD-Kandidat und CDU-Kandidatin. Man sieht die Wiese vor Plakaten kaum.

picture alliance/Frank MayThomas Reitz ist Vikar in der Magnusgemeinde in Worms.

Deutschland im September 2017. Weite Teile des Landes haben sich in einen bunten Wald verwandelt. Rot, Blau, Magenta, Orange, Grün – überall leuchten Farben. Die sonst kahlen Straßenlaternen sind behängt. Zwei Wochen vor der Bundestagswahl befindet sich der Wahlkampf auf der Zielgeraden. Die Wälder aus Wahlplakaten haben sich in der Stadt und auf dem Land breit gemacht. Noch zwei Wochen. Ich habe zwar eine Tendenz, wen ich am 24. September wählen werde, doch wirklich entschieden bin ich noch nicht. Gerade erscheint mir der anstehende Gottesdienst wichtiger, die Predigt dringlicher. Während ich mich also auf dem Weg zu einem Termin durch den Plakatdschungel kämpfe, geht mir einer der Bibeltexte für den kommenden Sonntag durch den Kopf.

»Wer ist denn mein Nächster?«, fragt da ein Schriftgelehrter Jesus. Und Jesus antwortet mit der Geschichte vom barmherzigen Samariter. Er erzählt von einem Mann, der auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho überfallen wird. Die Räuber nehmen ihm nicht nur alles weg, was er hat. Sie schlagen ihn halb tot und lassen ihn liegen. Nacheinander kommen ein Priester und ein Levit an dem Verletzten vorbei. Sie sehen ihn im Straßengraben liegen, aber gehen weiter. Erst der Samariter, dessen Volk nicht zum damaligen orthodoxen Judentum gehört, kümmert sich um ihn, leistet erste Hilfe, bringt ihn in eine Herberge und lässt ihn dort weiter versorgen.

Wer ist denn mein Nächster? Während ich über die Frage des Schriftgelehrten nachdenke, sehe ich ein paar in meinen Augen unansehnliche Exemplare des Plakatwaldes, die sich kreuz und quer durch die Innenstadt ranken. Sie zeigen die Silhouetten von Menschen in einem Holzboot auf offenem Meer. Darüber der Slogan: »In Seenot? Eher die nächste Verbrechenswelle«.

Am Ende der Geschichte kehrt Jesus die Frage des Schriftgelehrten um: »Wer von diesen dreien (Priester, Levit oder Samariter), meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war?« Der Nächste ist nicht der, der Hilfe braucht. Zum Nächsten wird der, der hilft.

Der Samariter fragt nicht nach der Religion oder nach der Einstellung zum Grundgesetz. Er weiß nicht einmal, wen er da rettet und ob dieser Mann ein Verbrecher ist oder sein wird. Er sieht die Not des Anderen und hilft. Dadurch wird er dem verletzten Überfallopfer zum Nächsten. Der Nächste ist der, »der die Barmherzigkeit tat«, gibt der Schriftgelehrte zähne- knirschend zu. Da sagt Jesus zu ihm: »So geh hin und tu desgleichen.«

Wie den Samariter soll mich die Not der Menschen auf meinem Weg nicht kalt lassen. Ich kann einem anderen zum Nächsten werden, und er mir – auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho oder auf dem Mittelmeer oder in der Asylunterkunft.

Als ich mich erfolgreich durch den Plakatwald gekämpft habe, weiß ich zwar immer noch nicht, wo ich am 24. September mein Kreuz setzen werde. Aber wo ich es nicht setze, das weiß ich definitiv.

Von Thomas Reitz

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