Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau GmbH

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Jugendliche in Mainz wünschen sich mehr gelebte Gemeinschaft

Analog Christ bleiben

epd / BildAuf Grundlage der Bibel wollen junge Christen in Mainz ihre Kirche weiterentwickeln. Ihr Ansatz ist ganzheitlich – um den Geist Gottes in die Welt zu tragen.

privatMatthias Braun ist Stadtjugendpfarrer in Mainz.

In der Kirche Jugendlicher zu sein, ist für die Jugendlichen nicht immer einfach. Sie fühlen sich oft nicht für voll genommen. Sie erleben, wie Synoden, Ausschüsse und Gremien sie als Zielgruppe definieren. Sie erleben, wie die Älteren ihre Lebenswirklichkeit analysieren, um Schlüsse zu ziehen, wie Kirche sich verändern sollte. Beim Verändern wären die Jugendlichen gerne dabei und nicht nur eine Zielgruppe, die man anlocken will.

In der Evangelischen Jugendvertretung in Mainz beschäftigen sich junge Menschen damit, wie Kirche in ihren Augen aussehen, wie sie sich anhören und anfühlen soll. Dazu schauen sie sich die vor einigen Monaten beschlossenen Thesen der Evangelischen Kirche in Deutschland an zur Veränderung der Kirche. Die erste Forderung lautet: »Die Bibel ist die Grundlage unseres Glaubens. Das Evangelium soll analog und digital kommuniziert werden. Dafür soll auf eine verständliche Sprache geachtet werden.«

Da gehen sie mit. Die Bibel ist ihnen wichtig. Doch beim Stichwort digital haben die Jugendvertreter müde gelächelt. »Wir nutzen unser Smartphone, um Informationen weiterzugeben. Wir benutzen es nicht, um anderen von Jesus zu schreiben«, sagen sie. Was mich an der These stört: Es scheint nur um das Reden zu gehen. Um Verkündigung. Egal, ob nun von der Kanzel oder direkt aufs Smartphone. Bei der Kommunikation des Evangeliums geht es aber nicht nur um Verkündigung und Lehre, sondern auch um gemeinsames Feiern und ums Helfen zum Leben.

Gut erzählt ist das in der Apostelgeschichte im dritten Kapitel. Petrus und Johannes gehen zum Tempel. Dort treffen sie einen stadtbekannten kranken Mann, der seinen Lebensunterhalt erbettelt. Petrus sagt: »Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir.« Und dann heilt er den Mann im Namen Jesu Christi. Anschließend predigt Petrus und sagt: Dieses Wunder hat der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs bewirkt.

Petrus hat damals weitere Mitglieder in die Jerusalemer Gemeinde rufen wollen. Die wachsende Gemeinschaft hielt sich an die Lehre der Apostel, sie aßen miteinander. Sie heilten und halfen Menschen so wie diesem kranken Mann am Tempel. Sie haben von Jesus Christus nicht nur mit Worten erzählt. Die Kommunikation des Evangeliums war eine umfassende Lebenshaltung.

Die Jugendlichen in Mainz wünschen sich mehr gelebte Gemeinschaft. Sie erleben Kirche als einen guten Raum, in dem sie sie selbst sein können. Digitalisierung ist für sie ein normaler Prozess, damit wachsen sie auf. Aber Christentum findet für sie analog statt. Ihr Wunsch: So zu leben, dass sie sich an dem Vorbild von Jesus orientieren. So zu leben, dass sie etwas von dem Geist Jesu in dieser Welt weitertragen. Auch dann, wenn andere sie auslachen, weil sie sich für die evangelische Jugend engagieren.

Vielleicht sind die Jugendlichen schon dort, wo die Thesen mal hinführen wollen. Im Sinne der Urgemeinde in Jerusalem eine kleine, motivierte Truppe mit Gottvertrauen, die sich ihrer Mitwelt liebevoll zuwendet. Von Matthias Braun

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