Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau GmbH

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Die Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau GmbH ist eine gemeinnützige Gesellschaft und die zentrale Adresse für Publizistik und Medienarbeit in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

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Übergänge bringen ans Licht, worauf man sich verlassen kann

Das Wichtigste vorweg

bauhaus1000/gettyimagesDie Priester gehen mit der Bundeslade voraus, und die Wasser des Jordans stehen still wie eine Wand. Illustration aus einer »Pictorial Bible« von 1862.

Archiv/MedienhausSteffen Bauer ist Pfarrer und leitet die Ehrenamtsakademie der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Da stehen sie nun also, die aus Ägyptenland geflohenen Israeliten. Sie haben ein großes Problem. Wie nur kommen sie da rüber? Ein schier unüberwindliches Hindernis steht ihnen im Weg, ein breiter Fluss, der Jordan. Aber sie müssen ans andere Ufer. Sie wollen doch ins gelobte Land, endlich. Sie hatten schon so viel darüber gehört. 40 Jahre lang sind sie seit ihrer Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten durch die Wüste gewandert. Bitte keine Wüste mehr, sondern fruchtbares Land, neues Leben, sicheres Leben, neue Möglichkeiten. Deswegen waren sie doch aufgebrochen, deswegen waren sie doch schon so lange unterwegs. Und nun dieser breite Fluss. Keine Brücke, kein Übergang der normalen Art. Was sollen sie tun?

Übergänge und Veränderungen im Leben kennen wir alle. Manchmal geschieht es ganz schnell. Es wird anders, es wird neu. Nicht immer wollen wir das, aber selten können wir es verhindern. Veränderungen und Übergänge gehören dazu. Das sagt sich so leicht und lebt sich mitunter so schwer.

Im Buch Josua, im dritten Kapitel, wird erzählt, dass die Israeliten in diesem Moment das nach vorne stellen, worauf sie sich am meisten verlassen. Das, was ihnen am meisten Halt und Orientierung gibt, das stellen sie an die Spitze ihres Zuges: die Bundeslade mit den zehn Geboten darin.

Sie gehen ihren Weg nicht allein, sie verlassen sich nicht auf sich selbst. Sie kehren zu den Quellen ihres Glaubens zurück, um von dorther eine gute Zukunft zu ermöglichen. Die Bundeslade, das ist ihre Schatzkiste. Darin haben sie die Worte Gottes in den Geboten gesammelt. Sie stehen am Ufer des Flusses und erhoffen sich neue Worte, neue Hilfe, neue Wegweisung.

Man wird es Wunder nennen, dass der Übergang bei ihnen klappt – weil das Wasser des Jordans zurückgehalten wird und sie so den Fluss überqueren können. Aber dieses Wunder ist nichts Einmaliges. Es ereignet sich immer wieder neu, auch und gerade zu unseren Zeiten, in unserem eigenen Leben.

Dietrich Bonhoeffer hat sich in Situationen der Not ähnlich verhalten wie Josua und die Israeliten damals. Sein Glaubensbekenntnis aus dem Jahre 1934 zeugt davon. Er besinnt sich darin auf seine eigenen Glaubensgrundlagen und erfährt von dort her Wegweisung, Kraft und Stärke. Und gerade so sind das auch gute Sätze für uns heute: »Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum (Schicksal) ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.«

Von Steffen Bauer

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