Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau GmbH

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»Salz der Erde«

Hier fehlt etwas

Foto: gettyimages/dallostoWas wären Brezeln ohne Salzkörner? Nach den Worten Jesu sind Christen mit ihrem Glauben und Handeln auch so unverzichtbar.

Foto: privatMiriam Küllmer-Vogt ist Pfarrerin und Beauftragte der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau für den Ökumenischen Kirchentag 2021 in Frankfurt.

Unsere Tochter war acht Monate alt, wir waren gerade im Urlaub. Mein Mann versuchte, sie zu füttern. Mit Babynahrung. Es war ein Gemüsegläschen. Irgendwann warf mein Mann verzweifelt den Löffel hin. »Sie will nicht«, sagte er. »Sie spuckt alles aus.« Ich sah mir die Sache an. »Lass mich mal kosten«, sagte ich und probierte. Der Gemüsebrei schmeckte überhaupt nicht. Eine fade Masse, die einfach nicht runter wollte. Hier fehlte etwas. Nämlich: Salz. Ich griff nach dem Salzstreuer. Und – oh Wunder! Unsere Tochter hat das Glas leer gegessen.

Salz ist einfach faszinierend. Salz bringt die besondere Würze. Mit Salz werden Lebensmittel haltbar. Salz braucht der Mensch, um zu leben. Besonders an heißen Sommertagen merken wir: Wasser allein stillt unseren Durst nicht. Wir brauchen Elektrolyte. Wir brauchen Salze.

Salz finde ich auch deshalb faszinierend, weil es nur dann wirken kann, wenn es sich in etwas auflöst. Und zwar völlig. So dass man es auch nicht einfach wieder wegnehmen kann. Versuchen Sie doch mal, aus einer Suppe das Salz rauszubekommen. Geht nur mit einigem Aufwand.

Diese besondere Eigenart von Salz hatte wohl Jesus vor Augen, als er sagte: »Ihr seid das Salz der Erde.« Ich gehe jetzt mal frech davon aus, dass diese Worte auch heute noch gelten. Lassen Sie sich den Satz auf der Zunge zergehen: »Ihr seid das Salz der Erde.« Ihr seid das, was dem Leben die Würze gibt. Ihr seid die, die das Ungenießbare genießbar machen können. Ihr seid das, was der Welt zum Leben fehlt. Ihr seid der Garant für Haltbarkeit.

Vielleicht runzeln Sie jetzt die Stirn: Wir sollen das sein, was der Welt zum Leben fehlt? Ich lese schnell noch mal nach, an wen Jesus diese Worte richtet. Bibel, Matthäusevangelium, Kapitel 5: Die vor Gott arm sind. Die an der Not der Welt leiden. Die von Herzen freundlich sind. Die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit. Die barmherzig sind. Die Frieden stiften. Die verfolgt werden, weil sie Gerechtigkeit üben. Behutsamkeit. Frieden. Freundlichkeit. Gerechtigkeit. Das braucht die Welt. Absolut.

Und nun sagt Jesus: Auf geht’s! Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nicht ihr, wer dann? Haltet euch nicht zurück. Haltet euch nicht raus. Bleibt nicht in eurem Salzfass hocken. Salzt die Suppe. Würzt das Leben. Verlängert das Haltbarkeitsdatum unserer Erde. Macht das Ungenießbare genießbar. Verändert unsere Gesellschaft.

Schon ein Prise Salz verändert viel. »Hier fehlt etwas«, denkt die Vorstandsvorsitzende mitten in der Sitzung. Sie geht zum Fenster und öffnet es. Frische Luft strömt in den Raum, alle atmen auf. »Hier fehlt etwas«, murmelt die Clown-Doktorin, als sie in das Krankenzimmer hineinschaut. Sie setzt sich die rote Nase ins Gesicht. Die Augen der Kinder in den Betten blitzen auf. »Hier fehlt etwas«, finden ein paar der kreativen Köpfe des Ortes. Und eröffnen ein Kultur- und Begegnungszentrum. Mit Café. So dass ihr Dorf eine Mitte bekommt.

Jesus sagt: »Ihr seid das Salz der Erde.« Fragt: Was fehlt hier? Und dann gebt euch hinein.

Miriam Küllmer-Vogt

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