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Kampf gegen Plastik

Könnte ein Pilz das Plastik-Problem lösen?

Bild: D.Stephan, JKI DarmstadtPilz „Metarhizium brunneum“Der Pilz „Metarhizium brunneum“ wächst aus einer Larve und bildet Sporen. Mit solchen Pilzen hat Jugend-forscht-Gewinner Christos Assiklaris am Julius-Kühn-Institut Darmstadt gearbeitet. Unter Laborbedingungen konnte der Pilz Kunstoffteilchen zersetzen.

Der 17-jährige Schüler Christos Assiklaris aus Offenbach hatte in seiner Arbeit für Jugend-Forscht weitere Pilzarten entdeckt, die Plastikteilchen abbauen können. Ist es möglich, dass sich das globale Plastik-Problem mit diesen Pilzen lösen lässt? Der Leiter des Labors für Mikrobiologie und Verfahrenstechnik des Julius Kühn-Institutes und der EKHN-Umweltpfarrer schätzen das Potential ein.

Zugegeben: Die Vorstellung, dass ein Pilz sich von Plastik ernähren kann und sich über Berge von Plastikmüll hermacht, ist verlockend. Und als Christos Assiklaris, Oberstufenschüler an der Offenbacher Albert-Schweizer-Schule, kürzlich den hessischen Landesentscheid bei „Jugend forscht“ gewonnen hat, war das Medienecho sehr groß. Denn: Er hat Pilze entdeckt, die anhand bestimmter Enzyme die gängige Kunststoffart Polyurethan zersetzen können. Ein Kunststoff zersetzender Pilz wurde bereits 2012 erstmals am Amazonas entdeckt, aber Christos Assiklaris hat diese Fähigkeit bei Pilzen entdeckt, die „man überall findet“. Sie heißen: Isaria fumosorosea und Metarhizium guizhouense. In einer Flüssigkultur im Labor können sie Plastikteilchen abbauen. Der Schüler konnte seine Forschungsarbeit am Julius Kühn-Institut in Darmstadt durchführen.

Die Forschung an den Pilzen ist noch im vollen Gang

Welche Enzyme den Kunststoff zersetzen und wie genau das Ganze funktioniert, ist jedoch noch nicht bekannt. Bisher weiß man nur, dass es ganz bestimmte Pilze gibt, die die Fähigkeit besitzen, Kunststoffe zu klären, also in immer kleinere Teilchen zu zersetzen, bis sie nicht mehr sichtbar sind. „Wir wissen noch nicht, wie sich das Ganze dann nachher im Feld benimmt“, erklärt Dr. Dietrich Stephan. Er leitet das Labor für den Arbeitsbereich Mikrobiologie und Verfahrenstechnik des Julius Kühn-Institutes, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Darmstadt.  Bisher sei alles nur auf experimenteller Ebene im Labor gelaufen. Der Schritt, die Pilze im Alltag gegen Kunststoffe einzusetzen, sei noch weit entfernt. „Forschung hört niemals auf! Und immer, wenn neue Ergebnisse herauskommen, wirft das auch neue Fragen auf“, resümiert Dr. Stephan.

Das Plastikproblem ist vielschichtig

Umweltpfarrer Dr. Hubert Meisinger vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN (ZGV) verfolgt interessiert den Stand der Forschung: „Es ist wunderbar, was Christos Assiklaris geleistet hat. Er ist mit viel Kreativität und Phantasie ein Thema angegangen, das heute für die Gesellschaft unglaublich wichtig ist.“ Er rät allerdings, keine voreiligen Schlüsse aus den ersten Forschungs-Ergebnissen zu ziehen. Hubert Meisinger gibt zu bedenken: „Selbst wenn eines Tages Pilze auf den Markt kommen sollten, die Kunststoffe gänzlich zersetzen könnten, würden diese nur ein Symptom des großen Problemzusammenhangs `Plastik´ bekämpfen.“  Die Ursachen seien vielschichtig: So werden zur Kunststoffherstellung etwa auch Mineralöle verwendet, die nur begrenzt auf der Erde vorhanden seien. Dennoch sei auch die Symptombekämpfung wichtig: „Der Müll ist ja schon in einem Ausmaß vorhanden, das uns Menschen erschrecken lassen müsste“, hebt Meisinger hervor.

Vom Schulpraktikum zu „Jugend forscht“

Bei Christos Assiklaris hat alles mit einem Praktikum angefangen: Beim Julius-Kühn-Institut in Darmstadt. Eigentlich beschäftige sich das Institut nicht mit plastikzersetzenden Pilzen, berichtet Dr. Dietrich Stephan, der auch Christos Assiklaris‘ Projektbetreuer war. Die verschiedenen Pilze werden im Labor vielmehr in ihrer Funktion als biologisches Pflanzenschutzmittel untersucht. Als Dr. Dietrich Stephan den Schüler aber dazu angeregt hat, er könne doch im Rahmen des Praktikums ein eigenes Jugend-forscht-Projekt umsetzen, war das Plastikthema im Institut angekommen: „Christos Assiklaris wollte sich dem Thema Plastikabbau und Mikroplastik widmen“, erzählt Dr. Stephan: „Er wollte schauen, ob die Pilze, mit denen wir hier tagtäglich arbeiten, dazu geeignet sind, im Boden oder nachher auch im Wasser Plastik abzubauen.“ Damit fing für Christos Assiklaris die Forschungsarbeit an: Publikationen zum Thema lesen, Experimente durchführen, die eigenen Ergebnisse aufschreiben. Und tatsächlich: Er hat neue Pilzarten entdeckt, die Polyurethan zersetzen können.

Verantwortung für die Schöpfung übernehmen – Plastikverbrauch reduzieren

Um den Plastikmüll zu reduzieren, sieht Umweltpfarrer Meisinger allerdings nicht nur die Forschenden in der Verantwortung. Er mahnt: „Auch Christinnen und Christen sind dazu angehalten, über ihren Plastikverbrauch nachzudenken und diesen auf ein Minimum zu reduzieren.“ Denn der Mensch sei ein Teil der gesamten Schöpfung. Und als Teil dieser Schöpfung sei es dem Menschen sehr anzuraten, nicht andere Teile dieses Netzes zu zerstören. „Also den Lebenszusammenhang kaputt zu machen, in dem der Mensch selbst steht“, erklärt der Pfarrer.

Der Theologe erklärt: „Technologische Entwicklungen haben oft gleichzeitig etwas Faszinierendes und etwas Erschreckendes.“  So könnten neue Verfahrensweisen  viel fördern, helfen und unterstützen. Aber: „Es gibt oft bei der gleichen Technik eine andere Seite, die das Leben nicht fördert.“ Es sei daher wichtig, sich den Konsequenzen seiner Entscheidungen bewusst zu werden und alle Vor- und Nachteile genau zu beleuchten. Das betreffe auch den künftig möglichen Einsatz von Pilzen, die Plastik zersetzen können. Umweltpfarrer Meisinger wägt ab: „Mit den Pilzen ist natürlich noch kein Wundermittel gegen Plastik gefunden. Und selbst wenn es denn eines gäbe: Das Plastikproblem wäre noch immer in großem Maße vorhanden.“ Allerdings hofft Umweltpfarrer Meisinger auf positive Aspekte: „Durch Forschungsprojekte wie dem von Christos Assiklaris haben wir vielleicht eines Tages die Möglichkeit, immerhin einen kleinen Teil Mikroplastik aus unseren Böden zu zersetzen.“

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