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Ein Mann mit Gottvertrauen hat Mut und Weitsicht, setzt sich ein für Rechtlose und Arme

Nikolaus rüttelt auf

picture alliance/Geisler-FotopressDer heilige Nikolaus von Myra, Patron der Seefahrer und Händler. Die Statue steht am Kölner Schokoladenmuseum – mit der Severinsbrücke im Hintergrund.

privatAnnegret Puttkammer ist Pröpstin für Nord-Nassau.

Die Kinder freuen sich schon auf den Nikolaus-Tag. Zum Ende der ersten Adventswoche füllen die Großen ihnen die Schuhe, sie lassen sich Schoko-Nikoläuse schmecken. Welch schöne Tradition! Doch ist der Nikolaus nicht zu sehr verkindlicht? Es lohnt sich, einen erwachsenen Blick auf ihn zu werfen. Denn die Hafenstadt Myra hatte im vierten Jahrhundert einen Bischof, der durchaus herausfordert.

Die Nikolaus-Legenden beschreiben ihn als einen Mann, dem die Not anderer nicht gleichgültig war. Etwa so: In einer völlig verarmten Familie drohte den drei Töchtern, sich prostituieren zu müssen. Das konnte Nikolaus verhindern, indem er ihnen heimlich Geldgeschenke zukommen ließ. Nikolaus stand mit persönlichem Einsatz auch den Rechtlosen zur Seite. Als einige Soldaten zu Unrecht zum Tod verurteilt waren, rettete Nikolaus sie, indem er dem Henker in den Arm fiel.

Es wird auch erzählt, dass er dem Gebet viel zutraute, zudem weitsichtig handelte. Während einer Hungersnot erbat der Bischof von jedem Schiff, das im Hafen anlegte und Getreide für den Kaiser in Rom an Bord hatte, einen Teil der Ladung abzugeben. Nikolaus versicherte, er werde für das Schiff beten und so werde nicht auffallen, dass Getreide fehlte – was auch eintraf. So konnte er seine Gemeinde auf Jahre hinaus ernähren und sogar Saatgut austeilen.

Nikolaus war voller Gottvertrauen. So erklären sich sein Einsatz für Rechtlose, seine materielle Hilfe für Arme, sein Mut, seine Weitsicht. Und darin kann er Erwachsenen, evangelisch wie katholisch, ein Vorbild sein. Und das besonders in der Adventszeit. Sie gilt ja in der kirchlichen Tradition als Bußzeit. Jetzt sollen sich Christen selbst befragen, ob das eigene Leben den Maßstäben Gottes entspricht, und sich neu ausrichten zu Gott. In welche Richtung die Menschen sich verändern sollen, sehen sie am Beispiel des Nikolaus von Myra: teilen. Einen Blick haben für Benachteiligte. Weitsichtig handeln. Das Gebet üben. Lebensaufgaben, die dem Evangelium entsprechen.

Veränderung kann beginnen, wenn sich die Menschen die innere Haltung des Nikolaus von Myra bewusst machen. Er wusste sich von Christus reich beschenkt, auch in unruhigen Zeiten getragen. Eine solche Haltung befreit zum Teilen – von Geld oder Zeit oder beidem. Sie macht einfühlsam für Benachteiligte. Streben auch wir in den Wochen des Advents solche Warmherzigkeit an und lassen uns die Not anderer zu Herzen gehen! Ein lohnendes adventliches Ziel ist es auch, weitblickend zu handeln. Kaufen Sie unter diesem Aspekt Ihre Geschenke – nicht etwas für den schnellen Kick oder eine kurzlebige Mode, sondern wertige Dinge, mit denen man auch in fünf Jahren etwas anfangen kann. Ja, und der Advent kann ein geistlicher Aufbruch werden, um das Beten neu zu üben, etwa zu Hause am Adventskranz, im besinnlichen Gottesdienst oder bei wohltuender Musik.

Nikolaus ist eben nicht nur ein Kinder-Heiliger. Er rüttelt uns Erwachsene auf – im Sinne Christi. Das ist unbequem, aber gut so. Besonders in der Adventszeit.

Von Annegret Puttkammer

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