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Jesu Einzug in Jerusalem ist ein politischer Akt, der zeigt: Nächstenliebe ist nie nur privat

Provokation der Mächtigen

GettyImages/azerberberPalmzweig und Kreuz an einer Hauswand in Kroatien

privatMelanie Beiner ist Pfarrerin und Dezernentin für kirchliche Dienste in der hessen-nassauischen Kirche.

Jesus zieht in Jerusalem ein. Der Palmsonntag erinnert an diese biblische Erzählung. Mit einer öffentlichen Prozession kommt Jesus in die Stadt. Eine Menschenmenge bejubelt ihn. Sie säumen seinen Weg mit Palmzweigen. Ein paar Tage später aber schreien die Menschen: »Kreuzige ihn!«

Die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem ist mehrschichtig. Darum wird sie zweimal im Kirchenjahr als Evangelium gelesen. Zum Advent wird dazu »Tochter Zion, freue dich, siehe, dein König kommt zu dir« gesungen. Jesus als der König, der kommt, ist ein Friedensbringer. Am Palmsonntag, mit dem die Karwoche beginnt, ahnt man das drohende Unheil. Ein paar Tage später wird Jesus verhaftet und zum Tod verurteilt.

Wer wie Jesus im Namen Gottes Kranke heilt, Hungrigen zu essen gibt und Aussätzige in die Gemeinschaft zurückbringt, stärkt die, die keine Lobby haben. Wer dafür bejubelt wird, wird schnell zur Anfechtung für die Starken. Die öffentliche Inszenierung, mit der Jesus in die Hauptstadt einzieht, signalisiert einen Machtanspruch. Darum ist sie für die politische Spitze eine Provokation. Dann stößt Jesus auch noch im Jerusalemer Tempel die Tische der Verkäufer und Geldwechsler um. Damit bringt er Geschäftsleute und religiöse Würdenträger gegen sich auf.

Jesus wird gewusst haben, was er tut. Wer sich an den Ort der symbolischen Machtrepräsentation begibt und geltende Herrschaft kritisiert, riskiert Kopf und Kragen. Wer sich Machtansprüchen widersetzt, stellt auch Machthaber infrage und deren Parteigänger. Damit bringt er ein System aus Über- und Unterordnen ins Wanken. Einer, der zu viel liebt, kann darum schnell gefährlich werden. Nichts demaskiert die Hilflosigkeit von Herrschaftssystemen mehr als die Liebe, die sich fürsorgend um andere kümmert, und der Frieden, der von unten wächst und furchtlos anderen gegenübertritt.

Der Einzug Jesu in Jerusalem wird als ein demonstrativer und provokativ politischer Akt geschildert. Ist das gut? Braucht es manchmal auch für die Friedensbringer diesen Machtanspruch und die sichtbare Wirkung? Innerhalb und außerhalb der Kirche wird darum immer wieder gerungen. Wie politisch darf Kirche sein? Muss sie sich auch mit der Kraft der Institution öffentlich zeigen, wenn die Interessen der Schwachen nicht berücksichtigt werden? Oder sollte sie sich auf die Hilfe im sozialen Miteinander beschränken, ohne sich ansonsten einzumischen?

Die Antwort bleibt mehrschichtig. Frieden und ein gerechtes Miteinander haben immer auch eine politische Dimension. Die Werte, die dabei leiten, lassen sich nicht nur im Privaten leben. Sie wirken sich auch auf eine Gesellschaft insgesamt aus. Gleichzeitig kann kein Frieden dauerhaft wirksam werden, wenn er nur durch Macht behauptet und nicht auch von allen getragen wird.

Der Palmsonntag ist auch eine Erinnerung, dass es das öffentliche Bekenntnis braucht: Unsere Gesellschaft soll die Haltung der Nächstenliebe, des Friedens und der Solidarität mit den Armen bewahren. Daran erinnern wir uns als Christinnen und Christen immer wieder selbst und leben es, so gut es geht, im Privaten, in der Kirche und als Teil in der Gesellschaft.

Von Melanie Beiner

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