Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau GmbH

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Was hilft, wenn man sich von giftigen Gerüchten und Zukunftsängsten umzingelt sieht?

Schlangengrube

picture alliance/image brokerDas Kreuz mit der Schlange auf dem Berg Nebo in Jordanien erinnert an den Tod Mose.

Archiv/Medienhaus der EKHNOlliver Zobel ist Dekan für das Dekanat Ingelheim-Oppenheim.

Passt auf, wo ihr hintretet!« Zu Fuß will die Gruppe die letzte Strecke auf den Mount Nebo in Jordanien zurücklegen. Der Weg ist uneben, voller Geröll. Also, aufpassen, um nicht umzuknicken oder gar zu stürzen. Mit gesenktem Blick begibt sich die Gruppe auf den Weg.

Aber dann hält der Führer an: »Schauen Sie, was für ein Blick!« Die Bergsteiger richten sich auf und lassen die Augen über das Tal wandern – herrlich. Sie spüren, wie sich ihre Nackenmuskeln entspannen, wie die Waden sich entkrampfen – tut das gut!

Auf dem Gipfel fällt ihr Blick auf ein besonderes Kreuz – ein stilisierter Christus in der Form eines Kreuzes, um den sich eine Schlange windet. Das erinnert an die Worte aus der Bibel, die sie am Morgen im Gottesdienst gehört haben: »Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.« (Johannes 3,14-21)

Damals in der Wüste hatte Gott giftige Schlangen unter sein Volk geschickt – als Antwort auf ihre Bosheit und Falschheit. Doch Gott hatte Mose auch aufgetragen, dass er eine eiserne Schlange auf einen Stab stecken sollte. Die sollte er vor dem Volk hertragen. Jeder, der von einer Schlange gebissen würde, bräuchte nur zu dieser Schlange aufschauen und würde nicht sterben. Der Evangelist Johannes greift diese Geschichte auf – ist es mit Christus nicht genauso?

Manchmal habe ich auch den Eindruck, mitten in einer Schlangengrube zu leben. Überall Fake News und Gerüchte. Überall Menschen, die nur auf ihren eigenen Vorteil achten. Überall Zukunftsszenarien, bei denen es mir angst und bange wird. Und dann meine Grenzen und Unfähigkeiten. Vorsichtig, die Augen auf den Boden gerichtet, gehe ich Schritt für Schritt. Ich spüre meine Anspannung, meine Unsicherheit, meine Angst. Ich spüre, wie ich mich innerlich verkrampfe, verkrümme.

Der Kirchenvater Augustin und im Anschluss an ihn Martin Luther beschreiben den Menschen als ein in sich gekrümmtes Wesen, einen homo incurvatus. Was ihm hilft? Christus, der auferstandene, der erhöhte Sohn Gottes.

Christus lenkt die Blicke der Menschen nach oben, hilft ihnen, sich aufzurichten und als aufrechter Mensch zu leben. Christus lenkt die Blicke der Menschen nach vorne, auf das ewige Leben, damit sie schon hier hoffnungsvoll leben können. Dafür starb der Sohn Gottes am Kreuz. Darum wurde er erhöht.

Die Gruppe auf dem Berg Nebo macht sich langsam wieder auf den Rückweg. »Passt auf, wo ihr hintretet«, sagt der Wanderführer wieder. Ja, der weitere Weg ist wieder uneben und voller Geröll. Gerade deshalb sind die Pausen wichtig, das Aufrichten und Entspannen. Dazu lädt Gott mit dem erhöhten Christus ein.

Wenn ich an einem Kreuz vorbeikomme – am Wegrand, in einer Kirche oder an einem Kreuz, das in einem Zimmer an der Wand hängt – dann bleibe ich einen Moment stehen. Ich schaue zum Kreuz und richte mich auf. Mir hilft das. Es erinnert mich daran, dass Gott mir die Kraft gibt, als aufrechter Mensch zu leben.

Von Olliver Zobel

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