Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau GmbH

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Die Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau GmbH ist eine gemeinnützige Gesellschaft und die zentrale Adresse für Publizistik und Medienarbeit in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

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Unterwegs für die Zuversicht in der Krise: Frau Ginger und ich

Sonnenaufgangs-Reporter

Martin VorländerDie Sonne geht auf und flutet das Land mit Licht. Sie bringt eine große Portion Zuversicht in krisenhafter Zeit.

Nicole Kohlhepp / MedienhausMartin Vorländer

Es war früh am Morgen, viertel nach sechs. Ich war mit unserer Hundedame Ginger in den Weinbergen Rheinhessens unterwegs. Hierhin haben wir uns Corona-bedingt zurückgezogen. Die Situation machte mir Angst. Ich merkte: Ich brauche jetzt etwas, das mir inneren Halt gibt.

Licht flutet das Land

Da ging die Sonne auf. Das Licht flutete das Land. Wunderschön und unberührt davon, was dieses Virus anrichtet. Der verhängte Ausnahmezustand drückte mich nieder. Die Sonne zog mich innerlich nach oben. Auch wenn ich nicht schlafen konnte in der Nacht, hier kam die Sonne und ein neuer Tag.
Ich musste an viele Bibelstellen und Gesangbuchlieder denken, die die Aufwärtskraft der Sonne beschreiben, bejubeln, besingen. An diesem Morgen war es für mich dieser Liedvers: «Die güldne Sonne voll Freud und Wonne bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen ein herzerquickendes, liebliches Licht. Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder; aber nun steh ich, bin munter und fröhlich, schaue den Himmel mit meinem Gesicht.« (EG 449)
Jedes Wort stimmte für mich an diesem Morgen. Ich fühlte mich an der Grenze. Die Sonne ließ ihr herzerquickendes Licht darauf scheinen. Ich hatte darniedergelegen. Aber! Das Aber war stark. Aber nun steh ich und schaue den Himmel mit meinem Gesicht.

Die Sonne gibt Zuversicht in der Krise

Ginger, meine Hundedame, hatte es mittlerweile aufgegeben zu hoffen, wir würden bald weitergehen. Sie lagerte im Gras, schaute mich erwartungsvoll an, während ich mit meinem Smartphone den Sonnenaufgang aufnahm und diesen Gesangbuchvers dazu sprach.
Seitdem nehme ich den Sonnenaufgang jeden Morgen auf und spreche dazu einen Bibelvers, eine Liedstrophe, ein Gedicht oder einen Songtext, der mir an diesem Tag Zuversicht gibt. Das Video poste ich und schicke es an Freunde. Ginger und ich, wir sind die Sonnenaufgangs-Reporter. Wir reportieren, wir bringen anderen den Sonnenaufgang, die sich noch unter der Bettdecke räkeln oder den ersten Kaffee trinken.
Die Sonne gibt mir Zuversicht in der Krise. Sie geht auf, an einem Tag unverhüllt, am anderen schüchtern hinter Wolken. Aber da. Und aufsteigend. Das ist für mich Zuversicht. Das, was mich nach oben zieht, was mich aufschauen lässt, was mich aus der Enge der Ängste befreit hinein die Weite des Morgenrots.

Ins Auge fassen, was Anlass zur Sorge gibt

Kitschig, könnte man einwenden. Aber Zuversicht ist kein Eiapopeia, das die vorhandenen Probleme ausblendet oder verleugnet. Zuversicht ist die Kraft für alle, die nicht an der Welt verzweifeln, aber auch nicht so tun, als wäre sie heil.
Im Wort Zuversicht steckt das Sehen, das Hinschauen. Ich fasse ins Auge, was Anlass zur Sorge gibt. Aber es kommt darauf an, ob ich mich allein auf das Schlechte fixiere. Dann verliere ich aus dem Blick, was mir Mut gibt.
Die erste Silbe von Zuversicht erinnert mich daran, dass mir dieser Mut zukommt. Ich kann ihn nicht immer aus mir selbst schöpfen. Aber er stellt sich ein. Er findet sich. Er geht mir auf, so wie die Sonne aufgeht. Mit ihrem Glänzen bringt sie meinen Grenzen ein herzerquickendes, liebliches Licht. Jeden Morgen neu. Von Martin Vorländer

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