Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau GmbH

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Die Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau GmbH ist eine gemeinnützige Gesellschaft und die zentrale Adresse für Publizistik und Medienarbeit in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

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hr1 Sonntagsgedanken

Wer Ohren hat, ist gut dran

Karsten Fink / MedienhausPortraitfoto: Pfarrer Prof. Stefan ClaaßPfarrer Prof. Stefan Claaß

„Der Kaffee ist alle.“ Es könnte gut sein, dass dies der erste Satz ist, den Sie heute zu hören bekommen haben. Der Kaffee ist alle. Warum hast du nicht aufgepasst und eingekauft? Oder: „Schatz, der Kaffee ist alle. Wir haben beide nicht dran gedacht.“ „Weißt du was: Wir gehen frühstücken!“ Gleicher Satz, klingt aber ganz anders.

Der Psychologe Friedemann Schulz von Thun hat menschliche Kommunikation ausführlich studiert. Von ihm stammt die Erkenntnis, dass wir eigentlich vier Ohren haben. Und jedes Ohr hört anders. Eines hört den Appell oder Vorwurf: Du hast vergessen, Kaffee zu kaufen! Das zweite hört die Beziehung heraus: Schatz, ich wollte gern mit dir Kaffee trinken. Das dritte Ohr hört eine Aussage, die der Sprecher über sich selbst macht: Ich bin traurig, kein Kaffee da. Und natürlich gibt es auch das nüchterne vierte Ohr, das einfach die Information hört: kein Kaffee da. Auf welchem Ohr Sie gerade taub sind und auf welchem Sie hören, liegt an Ihrer Beziehung zu dem Menschen, der spricht. Und an Ihrer Stimmung. Und daran, ob Sie gestresst oder entspannt sind. Wie Sie hören, können Sie mit Nachdenken erkennen. Aber wie hat Ihr Gegenüber den Satz gemeint? Vielleicht ganz anders, als Ihr Ohr Ihnen mitteilt. Vielleicht hören Sie sofort den Appell und stürzen los, um an der Tanke ein Pfund Kaffee zu ergattern. Dabei hat Ihre Partnerin vielleicht gemeint: Dann eben Tee, Hauptsache, wir haben noch ein Stündchen im Bett. Tja, Pech gehabt. Oder positiv gewendet: Hören ist Glücksache. Oder eine Kunst. Schwierig wird es, wenn das Verstehen rundheraus erwartet wird. Nach der Art: Wenn du mich wirklich lieben würdest, wüsstest du, was ich meine. Nicht gut. Ganz anders, wenn ich mich hinterher über das Geschenk des Verstehens freue: Bevor ich etwas gesagt habe, hat sie mich verstanden. Einfach gut. Wenn sich nach dem Hören herausstellt, dass wir uns verstehen, sollten wir das feiern...


Die kompletten Sonntagsgedanken von Prof. Stefan Claaß gibt es ab dem 9. Juni 2019, 8 Uhr, zum Nachlesen auf  kirche-im-hr.de

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