Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau GmbH

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Die Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau GmbH ist eine gemeinnützige Gesellschaft und die zentrale Adresse für Publizistik und Medienarbeit in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

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Gefühle zulassen, um das Weiterleben mit der Trauer über den Abschied gut zu gestalten

Dem Tod die Macht nehmen

pixabayDas Kreuz ist ein starkes Symbol, das den Menschen Kraft verleiht.

privat/NRDBeate Braner-Möhl leitet die Stabsstelle Diakonie in der Nieder-Ramstädter Diakonie

Vom Anfang bis zum Ende, hält Gott seine Hände über mir und über dir. Ja, er hat es versprochen, hat nie sein Wort gebrochen: ›Glaube mir, ich bin bei dir!‹ Immer und überall, immer und überall, immer bin ich da! Immer und überall, immer und überall, immer bin ich da!« Dieses Lied von Daniel Kallauch singen Bewohner und Beschäftigte in der Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD) oft. Bei Andachten einer Gruppe von Senioren beispielsweise und bei Aussegnungen oder Gedenkandachten, wenn jemand gestorben ist.

Dem Tod den Schrecken nehmen, den Tod entmachten, das ist auch für Menschen in der Nieder-Ramstädter Diakonie wichtig. Plötzlich ist eine Mitbewohnerin, ein Arbeitskollege gestorben. Da gibt es Erschrecken, Erschütterung, Fassungslosigkeit, Entsetzen, Angst, Wut und Trauer. All diese Gefühle müssen Raum bekommen – damit das eigene Weiterleben mit der Trauer über den Abschied möglich wird.

Das ist wichtig, denn Menschen müssen den Tod begreifen, erfahren, ansehen, damit sie verstehen. Wenn ein Klient in der Nieder-Ramstädter Diakonie gestorben ist, gibt es unterschiedliche Rituale. Trauerwände mit Bildern der Verstorbenen. Oder eine Gedenkstehle und Gedenkgärten mit Namenssteinen. Auf einem Altartisch steht immer auch ein Bild der Verstorbenen und oft auch ein für den Menschen typischer Gegenstand. Die Nieder-Ramstädter beten und sprechen gemeinsam einen Psalm in leichter Sprache und unterstützen mit Gebärden, singen Lieder. Es ist Zeit, über Erlebtes mit dem Verstorbenen zu sprechen, Geschichten zu erzählen.

Das gemeinsame Erinnern verbindet alle, die trauern. Das Leben des Verstorbenen leuchtet noch einmal auf. Oft bringen die Geschichten die Anwesenden zum Lachen. Das tröstet, gibt Zuversicht und Hoffnung, nimmt Angst, gibt Kraft weiterzugehen, den Alltag wieder aufzunehmen. Dann findet die Aussegnung beim Verstorbenen im Zimmer statt. Jeder, der will, kann mitgehen. Ich sage vor dem Hineingehen, wie der Verstorbene daliegt, wie er oder sie aussieht, dass die Haut blass und kalt ist. Vielleicht sind die Augen etwas geöffnet oder auch der Mund. Ich sage, was ist.

Das Thema Tod ist kein leichtes. Aber Jesus hat dem Tod den Schrecken genom men, er ist wiederauferstanden. Der Mensch versinkt nicht im Nichts, sondern fällt in die Hände Gottes. Er kehrt dorthin zurück, woher er gekommen ist. Menschen sollten sich bewusst auf das Sterben vorbereiten und so dem Tod etwas von seiner Macht nehmen. Viele richten sich ein in dieser Welt, als würden sie ewig leben. Doch Rückschläge, Misserfolge und Schicksalsschläge zeigen, dass nicht alles machbar ist. Dass Wachstum nicht grenzenlos ist, dass alles Irdische einen Anfang und ein Ende hat.

Vorbereiten kann bedeuten, seine Verhältnisse ins Reine zu bringen. Mein Mann und ich haben erst kürzlich ein Ehegattentestament gemacht. Darin ist unser Bestattungswunsch festgehalten und eine Vorsorgevollmacht auf Gegenseitigkeit. Wir finden das entlastend für uns und unsere Kinder. Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen. Das hilft, das Ende anzunehmen, die Herausforderungen und die Aufgaben. Es hilft zu leben und sich auf das Leben zu freuen.

Von Beate Braner-Möhl

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