Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau GmbH

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Es ist vor allem eine Geschichte über Beziehung

Der Herr ist mein Hirte

istock/ClarkandCompanyManchmal dürfen Kinder Lämmchen mit der Flasche aufziehen, müssen mehrfach am Tag füttern, lernen dabei Verantwortung zu übernehmen.

privatFriederike von Bünau ist Geschäftsführerin der Kulturstiftung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

In meiner Kindheit in Schleswig-Holstein gab es viele Tiere, auch eine kleine Schafherde. Vor Ostern wurden die Lämmer geboren. Ein Zeichen des Frühlings, der Lebendigkeit des Lebens, der wiedererwachenden Natur. Für uns Kinder einfach eine Freude, wenn irgendwann die Nachricht kam, wir in den Stall liefen und die auf wackeligen Beinen stehenden Tiere begutachteten. Manchmal kam es auch zu Schwierigkeiten bei den Geburten durch eine falsche Lage oder schwächliche Physis. Mein Vater, der dann spontan zum Geburtshelfer avancierte, konnte oft retten, jedoch nicht immer. Das war traurig, aber gehörte dazu in der Natur, so lernten wir. Es gab auch den Fall, dass bei Mehrlingsgeburten das Mutterschaf eines ihrer Neugeborenen nicht annehmen und säugen wollte. Dann waren wir Kinder an der Reihe! Wir durften das Lämmchen mit der Flasche aufziehen, mussten mehrfach am Tag füttern, achtgeben. Die Erinnerung daran ist tief im Gedächtnis verwurzelt; mit der Zeit kannte uns das Lamm, begrüßte uns freudig, wurde zutraulich, hörte auf seinen Namen.

Der Predigttext vom zweiten Sonntag nach Ostern steht im Johannesevangelium Kapitel 10 und handelt vom guten Hirten. Jesus nennt sich den guten Hirten, der sein Leben für die Schafe lässt. Er kümmert sich um seine Herde, er kennt die Seinen, wie sein Vater ihn kennt. Er verlässt sie nicht, wenn Gefahr droht. Er bleibt bei ihnen.

Das Bild des guten Hirten ist eines, das auch heute noch anrührt, selbst wenn es einer anderen Lebenswelt entsprungen ist. Gerade die Einfachheit offenbart, worum es oftmals eigentlich geht und was in unserer Zeit nicht an Aktualität verliert. Es packt die Menschen bei ihrem Bedürfnis nach Aufgehobensein, nach Verortung, nach Gemeinschaft, auch nach Sicherheit. Da sind wir alle bedürftig; der eine mehr, der andere weniger, abhängig von Alter, Lebenssituation und Charakter.

Es ist aber auch eine Geschichte über Verantwortung und Stärke. Auch das sind wir Menschen. Wir tragen uns und andere, in der Familie, im Freundeskreis, im Ehrenamt. Wir gehen aufrecht, erwachsen, selbstbestimmt und selbstbewusst durch das Leben, setzen uns ein für Dinge, die uns am Herzen liegen, in der Flüchtlingshilfe, im Altenheim, für benachteiligte Kinder, für Tiere.

Man kann vieles in diese Geschichte hineindenken, auch Negatives und vermeintlich Eindeutiges, von dumpfer Gefolgschaft und hierarchischer Ordnung. Für mich ist es aber vor allem eine Geschichte über Beziehung. Und da spielen beide zuvor beschriebenen Aspekte hinein, das angewiesene genauso wie das autonome Selbst. Und sind nicht die schönsten Beziehungen die, bei denen ein Wechselspiel gelingt?

Und dann ist da noch die Beziehung zu Gott, als letzte Instanz, anders als alle anderen Beziehungen. Dort können wir uns in all unserer Widersprüchlichkeit einfach gehalten und getröstet wissen. Und so möchte ich schließen mit dem Psalm 23: »Der Herr ist mein Hirte. Mir wird nichts mangeln.«

Von Friederike von Bünau

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