Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau GmbH

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Die Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau GmbH ist eine gemeinnützige Gesellschaft und die zentrale Adresse für Publizistik und Medienarbeit in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

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hr2 Morgenfeier

Nicht immer lieb sein – Ein Plädoyer für die Wut

Nicole KohlheppPfarrerin Heidrun DörkenPfarrerin Heidrun Dörken

Ärger, Wut und Zorn sind heiße Eisen. Für Christen und Christinnen sogar besonders heiß. Sollen und wollen sie doch lieb, friedlich und sanftmütig sein. Auch ich habe das so gelernt.

Inzwischen meine ich: Erst wenn ich Ärger und Wut fühlen und ausdrücken kann, werde ich klar, lebendig und ehrlich. Doch viele Stellen im Neuen Testament nennen Ärger, Wut und Zorn in einem Atemzug mit allen möglichen Untaten. So wie der Apostel Paulus im Brief an die Galater:

Wohin die menschliche Selbstsucht führt, kann jeder sehen: Zu Unzucht, Verdorbenheit und Ausschweifungen, Götzendienst und Zauberei, Streit, Gehässigkeit, Rivalität, Zorn, Zank, Uneinigkeit,  Neid, Trunk- und Fresssucht  und dergleichen. Ich warne euch: Wer solche Dinge tut, für den ist kein Platz in Gottes neuer Welt.

Paulus verdammt zwar den Zorn nur dann, wenn er sich mit Selbstsucht verbindet. Doch haben seine Aussagen bis heute dazu geführt, dass Wut und Zorn als unchristlich gelten. An dem schlechten Image von Ärger, Wut und Zorn ist nicht nur das Christentum schuld. Auch philosophische Schulen wie die Stoa lassen an ihnen kein gutes Haar. Die Stoa entstand rund dreihundert Jahre vor Christus in Athen. Sie ist eine der wirkungsmächtigsten Lehrgebäude des Abendlandes. Die Philosophen der Stoa lehren: Gefühle soll man meiden, unterdrücken oder kontrollieren, wenn man ein gutes Leben führen will. Bis heute spricht man von der stoischen Ruhe. Die hat, wer sich von keinem Gefühl aus dem Gleichgewicht bringen lässt. Auch nichtreligiöse Menschen versuchen heute, nach dem Motto »Nicht ärgern, nur wundern« zu leben...


Die komplette Morgenfeier von Pfarrerin Heidrun Dörken gibt es ab dem 10. Juni 2018 zum Nachlesen auf  www.rundfunk-evangelisch.de

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