Medienhaus – Zentrum für evangelische Publizistik und Medienarbeit in Hessen und Nassau GmbH

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Das Medienhaus – Zentrum für evangelische Publizistik und Medienarbeit in Hessen und Nassau GmbH – ist eine gemeinnützige Gesellschaft und die zentrale Adresse für Publizistik und Medienarbeit in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

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Neue, lebenserweiternde Erfahrungen eher auf der Sein- als auf der Haben-Schiene

Nötiges tun und auf Gott verlassen

pixabayStrampeln oder untergehen – wie wird sich der Frosch entscheiden?

privatPaul-Gerhard Nohl ist Pfarrer im Ruhestand und war Professor am früheren Predigerseminar in Friedberg.

Zwei Frösche fallen in einen Milchtopf. Alles verloren, denkt der eine. Ob ich jetzt strample und dann vor Erschöpfung untergehe oder ob ich gleich untergehe – es kommt auf dasselbe heraus. Denkt's und versinkt. Ich strample, so lange ich kann, sagt der andere. Nach einer Zeit, die in Normalmaß nicht zu messen ist, geschieht Unerwartetes. Der Frosch fühlt Boden unter den Füßen. »Alles in Butter«, hätte er rufen können, wenn man ihn gefragt hätte. Mit einem Sprung über den Topfrand rettet er sich.

Viele kennen diese Geschichte. Woran denken Sie dabei? Vielleicht an das Leben überhaupt, in das man hineingeworfen wird mit der Zumutung, sich abzustrampeln, übrigens gleich von Anfang an und das sogar buchstäblich. Vom Baby- bis ins hohe Alter strampelt man sich ab ohne jede Sicherheit, dass am Ende alles in Butter sein wird. Vielleicht denken Sie bei der Geschichte an unsere bedrohte Lebenswelt, von der manche meinen: Es ist alles schon zu spät! Aber muss man nicht auch sagen: Die »Nach-uns-die-Sintflut«-Haltung ist die Sintflut? Vielleicht denken Sie an die Lage der Kirche mit ihren Zerfallserscheinungen und den vielen aufgeregten Rettungsversuchen. Was hieße da »strampeln«, was hieße, alles so laufen lassen?

Diese Froscherfahrung lässt sich auf so viele und vieles im Leben anwenden. Beunruhigt, ärgert oder motiviert mich die Parabel? Höre ich sie als puren Appell: Gib nicht auf! Halte aus! Lass dich nicht durchhängen! So ein Imperativ ist ja manchmal wirklich notwendig. Sogar, wenn es keine befriedigende Antwort auf die Frage gibt: Wofür denn? Und was habe ich davon? Es gibt ja noch andere Erfahrungen als die auf der »Was-habe-ich-davon«-Schiene. Eine lautet: Wer oder wie werde beziehungsweise wurde ich dadurch? Wirklich neue, lebenserweiternde Erfahrungen gibt es eher auf der Seins- als auf der Haben-Schiene. Aber mehr als dieser Appell beschäftigt mich die Sache mit der Milch, aus der durch das Strampeln des Frosches Butter wird. Eine andere Realität. Festes aus Flüssigem. Boden unter den Füßen genau aus dem, was mich zuvor untergehen lassen wollte. Leben aus dem Sterben.

Der Apostel Paulus setzt solche Erfahrungen mit den ganz großen Glaubenssätzen in Beziehung. Er schreibt: »Wir dachten bei uns selbst, zum Tode verurteilt zu sein. Das geschah aber, damit wir unser Vertrauen nicht auf uns selbst setzten, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt, der uns aus solcher Todesnot errettet hat und erretten wird.« (2. Korinther 1,8-9)

Die Strampellösung des zweitens Frosches ist eine höchst aktive Form des Sich-auf-Gott-Verlassens. Ich verlasse mich auf Gott, indem ich mich ins Leben begebe und dort das Meine, das Nötige tue unter Verzicht auf die Garantie der Sinnhaftigkeit oder gar Nützlichkeit. Auf Abstand betrachtet ist es womöglich nichts als Strampeln – und man fragt empört: Warum? Oder auch: Wer ist schuld? Wenn ich mich auf Gott verlasse, verlasse ich immer auch mich selber und meine durchaus vernünftigen, berechtigten und bisweilen unaufgebbar erscheinenden Forderungen an das Leben, nach Sicherheit, meine Vorwürfe an alles Vorgegebene. Aber ich gewinne dabei die Erfahrung des Frosches: Flüssiges wird fest. Wo ich gefürchtet habe unterzugehen, fühle ich Boden unter den Füßen. Aus Sterben wird Leben.

Von Paul-Gerhard Nohl

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