Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau GmbH

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Die Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau GmbH ist eine gemeinnützige Gesellschaft und die zentrale Adresse für Publizistik und Medienarbeit in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

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hr2 Morgenfeier

Verlorene Söhne

Nicole KohlheppPfarrer Eugen EckertPfarrer Eugen Eckert

Ich liebe Kinderbücher. In ihren Erzählungen und Märchen gehen selbst Konfliktgeschichten in aller Regel gut aus, ganz anders als oft sonst im Leben. Eine Konfliktgeschichte im Märchen, an die ich mich besonders gerne erinnere, hat der preisgekrönte englische Autor Michael Foreman in seinem Buch über das Flusspferd Horatio erzählt. Er nimmt uns mit in eine Welt, in der zunächst alles in Ordnung scheint.

Es ist wie ein Urbild von Frieden und Zusammengehörigkeit, das Michael Foreman mit wenigen Worten zeichnet: So schön kann Leben sein! Wie Flusspferde, die glücklich zusammen planschen. Dieses Vertrauen in ein stabiles Miteinander gibt eine Generation an die nächste weiter. Alles wäre gut, gäbe es da nicht das junge Flusspferd Horatio. Das ist neugierig und nicht zufrieden mit sich selbst und seiner Welt. .

Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie das Märchen weitergeht. Davon später mehr. Wer erst einmal ganz tief in sich die Sehnsucht nach Freiheit und einem ganz anderen Leben gespürt hat, findet sich nicht mehr einfach ab mit dem, was ist, so wie Horatio. Und für Freiheitssuchende gibt es viele gute Gründe, sich von den Verhältnissen loszusagen, die ihnen die Luft zum Atmen nehmen. Sie lassen Wohlbekanntes hinter sich und nehmen ihr Leben selbst in die Hand.
So habe auch ich das gemacht, damals, als ich mit 18 auszog. Und genauso hat sich der jüngere von zwei Söhnen entschieden, von dem in der Bibel der Evangelist Lukas erzählt. Ich spreche von der bewegenden und aufrüttelnden Geschichte vom „Verlorenen Sohn“. Der Sohn hat das Gefühl: Ich muss hier raus! So wie das Flusspferd Horatio, das raus will aus seinem Pfuhl. So wie ich selbst ausgezogen bin aus meinem Elternhaus. Aufbegehren gegen das, was schon immer galt, die Sehnsucht nach dem eigenen Spielraum, das ist auch Thema des Liedes „Father and son“, das Cat Stevens singt.

„I know, I have to go“, singt der Sohn. Ich weiß, ich muss weg von hier. Ich halte es so, wie es ist, nicht mehr aus. Ich muss hier raus. Es hat keinen Zweck mit uns zusammen.
Nun können Väter völlig unterschiedlich reagieren, wenn ihre Söhne, übrigens auch die Töchter, den Ausbruch wagen. Mein Vater damals war wütend auf mich: „Du wirst schon sehen, was du davon hast. Komm mir bloß nicht hinterher angelaufen.“ Er wusste, wie weit wir politisch voneinander entfernt standen. Ich gehöre zur Generation der späten 68er, die unbarmherzig ihre Väter fragten, warum sie nicht mutiger eingetreten waren gegen Hitler und seine Schergen, gegen Rassismus, Unrecht und Unterdrückung.
Der Vater vom Flusspferd Horatio kann nur den Kopf schütteln über seinen Sohn. Er pocht auf das Glück guter alter Zeiten und die Tradition...


Die komplette Morgenfeier von Pfarrer Eugen Eckert gibt es ab dem 28. Oktober 2018, 8 Uhr, zum Nachlesen auf  www.rundfunk-evangelisch.de

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