Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau GmbH

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Zugehörigkeiten gibt es wie Sand am Meer – aber eine ist radikal anders als alle anderen

Wem ich gehöre

Elisabeth Patzal/pixelio.deEin Kreuz um den Hals zeigt: Ich gehöre zu Jesus Christus.

privatKerstin Janott ist Pfarrerin in der Esterau.

Wem gehören Sie? Vielleicht ist das eine etwas merkwürdige Frage. Viele würden antworten: Natürlich niemandem! Allenfalls mir selbst. Ich gehöre mir. Kein Mensch kann einem anderen gehören. Es gibt zwar Situationen, in denen einer zum anderen sagt: »Auf ewig Dein.« Aber das ist eine Liebeserklärung und keine Zustimmung zu Leibeigenschaft. Kaum jemand würde sagen: »Ich gehöre einem anderen Menschen.«

Wenn ich nun ein kleines Wörtchen einfüge: Zu wem gehören Sie? Dann ändert sich vermutlich die Antwort. Und auch das Gefühl, mit dem viele antworten. Zugehörigkeiten gibt es wie Sand am Meer. Ich gehöre zu meiner Familie, zu meinem Dorf, zu meinem Verein ... Manche Zugehörigkeit besitze ich ohne mein Zutun, andere habe ich frei gewählt. Vermutlich haben die meisten, die diese Zeilen lesen, eine weitere Zugehörigkeit: zugehörig zur Kirche. Mitglied der Kirche werde ich durch die Taufe. Diese Zugehörigkeit ist eine radikal andere als alle anderen.

In der Taufe wird ein Bund geschlossen. Ein Bund zwischen Gott und Mensch. Was es bedeutet, wenn Gott einen Bund schließt, das wird im Alten Testament immer wieder erzählt. Das Volk Israel ist das Volk des Bundes. Christinnen und Christen sind durch die Taufe mit aufgenommen in den Bund von Gottes Verheißung.

Wenn Gott einen Bund schließt, dann bedeutet das, dass er an ihm festhält auf ewig. In Jesus Christus hat Gott sich auf diesen Bund sogar festnageln lassen am Kreuz. Wir sind getauft auf seinen Namen. Wir gehören nicht nur zu Gott. Wir gehören Gott. Das ist nicht rückgängig zu machen.

Die Antwort auf die Frage »Wem gehören Sie?« lautet also: Gott. Das klingt für unsere modernen Ohren gewöhnungsbedürftig. Im ersten Augenblick erschrecke ich bei dem Gedanken und will ihn abwehren, weil ich lieber mir selbst gehöre. Aber dann überlege ich, was es heißt, dass ich durch die Taufe Gott gehöre. Beim Nachdenken ändert sich mein Gefühl. Denn die Grundlage des Bundes mit Gott ist seine Liebe und Barmherzigkeit. Gott liebt mich, Gott liebt uns, weil er sich dazu entschieden hat. Gott zu gehören bedeutet: Gott hält zu mir. Er hält mich fest, mein ganzes Leben lang und darüber hinaus.

Wenn ich Gott gehöre, dann sind alle anderen Ansprüche, die die Welt an mich stellt, zweitrangig. Dann gehöre ich nicht zuerst meinem Chef, meiner Arbeit, meinen Verpflichtungen. Dann gehöre ich nicht zuerst meiner Familie, meinen Wünschen und Plänen. Ich gehöre Gott. Das macht mich frei von allem anderen. Ich lebe auf dem Boden von Gottes Liebe und trage sie in die Welt. Barmherzigkeit bedeutet: Selbst wenn ich dabei versage, Gott hält an mir fest.

Ich gehöre Gott. Ich gehöre zu seinem Bund. Damit bin ich mit allen Menschen auf der Erde verbunden, die in dieser Liebe leben möchten. Und gemeinsam sind wir auch für die da, die von dieser Liebe nichts wissen oder nichts wissen wollen.

Gott hat gewählt. Wir gehören ihm. Mit Haut und Haar, mit Leib und Leben. Gott sei Dank.

Von Kerstin Janott

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