Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau GmbH

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Ein Steuerhinterzieher wird im Gefängnis Christ – kann ein Raffzahn sich bessern?

Zachäus Middelhoff

i-stock/lady in redBei jedem Menschen gibt es eine helle und eine dunkle Seite. Die Frage ist nur, welche Seite überwiegt. Und wer einem dabei hilft, das Helle zum Vorschein kommen zu lassen.

esz/ArchivBirgit Arndt ist Geschäftsführerin des Medienhauses der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Das hat er jetzt von seiner Raffgier!«, sagt meine Freundin. Nach einem Spaziergang durch den Wald in der Bielefelder Senne stehen wir vor der ehemaligen Villa von Thomas Middelhoff. Lange Jahre war er ein gefragter Top-Manager und lebte im Luxus. Dann aber folgten Absturz, Insolvenz und schließlich eine Verurteilung zu drei Jahren Gefängnis wegen Untreue und Steuerhinterziehung.

Während der Haftzeit wurde er zum bekennenden Christen. »Noch nie fühlte ich mich Gott so nah«, schreibt er im letzten Kapitel eines Buches über seine Zeit im Gefängnis, die er als Chance für einen Neuanfang begreift. Und weiter heißt es: »Ich danke Gott, dass er mich ins Gefängnis geführt und mir die Augen geöffnet hat, damit ich meine Fehler erkennen kann.«

Beim Kaffeetrinken nach dem Spaziergang bleibt Middelhoff unser Gesprächs-thema. Ist es möglich, dass ein ehemals »egoistischer Raffzahn« durch den Glauben ein ganz anderer, ein besserer Mensch wird? Und müsste das nicht sichtbare Folgen haben? Meine Freundin ist – zumindest in diesem Fall – skeptisch. Auch Zachäus (Lukas 19, 1-10) hätten seine Zeitgenossen wohl als Raffzahn bezeichnet. Er war Zöllner und arbeitete für die römischen Besatzer. Dabei wurde er selbst sehr reich, weswegen er bei seinen jüdischen Mitbürgern alles andere als beliebt war. Fromme Juden durften sein Haus nicht betreten, weil sie dadurch unrein wurden.

Doch als Jesus in seine Stadt kam, verspürte Zachäus den Wunsch, ihn zu sehen. Weil er so klein war, klettert er dafür auf einen Baum. Dann passiert das Unfassbare: Jesus spricht ihn an. Ihn den Zöllner, den verachteten Außenseiter. Jesus lockt ihn vom Baum herunter und lädt sich selbst bei ihm zum Essen ein. Diese Erfahrung, dass Jesus ihm seine Zuwendung schenkt, verändert das Leben von Zachäus. Er hat erfahren: Du bist bei Gott nicht vergessen. Gott steht zu Dir, auch wenn Du Mist gebaut hat. Er gibt dich nicht auf, du kannst zu ihm zurückkehren und neu anfangen. Er traut Dir zu, dass Du ein anderer, ein besserer Mensch sein kannst. Zachäus ergreift diese zweite Chance: Er leistet Wiedergutmachung, er gibt die Hälfte seines Besitzes an die Armen und entschädigt alle, die er betrogen hat.

»Der Menschensohn ist gekommen, um die Verlorenen zu suchen und zu retten«, sagt Jesus beim Abschied zu Zachäus. Mit diesem Satz macht er uns vor, wie eine Lebensveränderung gelingen kann. Nicht durch Vorwürfe, nicht durch Verurteilung oder Ausgrenzung. Sondern durch Liebe, Aufmerksamkeit und Zuwendung.

Dieser Satz gilt nicht nur den Zachäussen und Middelhoffs, sondern auch mir. Auch ich gehöre immer wieder zu den Verlorenen. Wie oft denke ich nur an mich und meinen Vorteil. Wie oft gehe ich vorbei, statt zu helfen. Wie oft suche ich Streit, statt auf andere zuzugehen. Ich bin sicher oft nicht so, wie Gott sich mich wünscht.

Aber ich glaube, dass, wer Gott sucht und nach seinem Willen fragt, wer immer wieder in Gottes ausgebreitete Arme umkehrt, von dieser Liebe berührt und verändert wird. Daran glaube ich. Das brauche ich immer wieder, und das wünsche ich auch Thomas Middelhoff. Von Birgit Arndt

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